Ob eine Promotion passt, hängt von vielen Faktoren ab: Motivation, Karriere- und Lebensplanung, persönliche Voraussetzungen sowie Arbeitsweise und -bedingungen. Bei einer Promotion geht es nicht nur ums können, sondern auch darum wohl zu überlegen, ob man diesen Weg gehen will. Die folgenden Fragen und Themen können Ihnen bei dieser Entscheidung helfen.

Es gibt zahlreiche intrinsische und extrinsische Motivatoren, die dazu beitragen können, eine Promotion in Betracht zu ziehen. Da eine Promotion ein langwieriger Prozess ist, sollten Sie sich Ihrer Motivation bewusst sein.

  • „Ich möchte mich intensiv mit einem Thema auseinandersetzen.“

    Wer tief in ein Thema eintaucht, wird auch erst nach ungefähr vier Jahren wieder auftauchen, denn die Arbeit an der Dissertation dauert laut der DFG im Durchschnitt 51 Monate. Promovieren ist also ein langer Prozess, in dem Durchhaltevermögen, Neugier und Interesse am Thema von großem Vorteil sind. Stellen Sie sich dennoch auf Herausforderungen, Krisen und Motivationslöcher ein und versuchen Sie, Ihr Ursprungsinteresse in diesen Phasen nicht aus den Augen zu verlieren.Um eine gute Entscheidung zu treffen und herauszufinden, ob eine Promotion wirklich das Richtige ist, kann ein Gespräch mit den potenziellen Betreuer:innen wichtig und hilfreich sein.

  • „Ich will in der Wissenschaft bleiben.“

    Für diesen Karriereweg ist die Promotion unabdingbar und zielführend. Dennoch sollten Sie vorher abwägen, ob die Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft zu Ihrem geplanten Lebensweg passen. Es lohnt sich, sich vorab mit dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG)  auseinanderzusetzen und sich mit anderen Wissenschaftler:innen über ihren Werdegang auszutauschen.

  • „Ich möchte später mehr verdienen.“

    Wenn ein höheres (Einstiegs-)Gehalt und der Wunsch nach finanzieller Sicherheit der Antrieb für die Promotion sind, kann sich dies später auszahlen – muss es aber nicht. Laut academics macht sich der finanzielle Vorteil insbesondere in den Naturwissenschaften, Ingenieurswissenschaften, Mathematik und in Einzelfällen in den Wirtschaftswissenschaften für eine Karriere außerhalb der Wissenschaft bemerkbar. In den Sozialwissenschaften zahlt sich diese Motivation hingegen eher nicht aus.

  • „Ich habe eine Promotionsstelle angeboten bekommen.“

    Von dem:der Professor:in eine Stelle angeboten zu bekommen, kann schmeichelhaft und ein verlockendes Angebot sein. Die Entscheidung sollte trotzdem nicht nur getroffen werden, weil man das Angebot nicht ablehnen möchte oder befürchtet, die nicht genutzte Chance zu bereuen, so Lübke und Ulrich im ZEIT Campus Ratgeber Promotion. Wichtig ist auch, die Vor- und Nachteile des Angebots abzuwägen und zu prüfen, ob die Betreuung und andere Lebenspläne zueinander passen. Es kann genauso mutig sein, das Angebot abzulehnen, wie sich ins Abenteuer Promotion zu stürzen. 

  • „Ich habe keinen Job.“

    Wenn die ersten Bewerbungen nach dem Studium nicht erfolgreich sind, kann die Promotion aufgrund der Arbeitslosigkeit interessant werden. Hier sollte gut überlegt werden, ob die Promotion wirklich in die Karriereplanung passt und ob es neben der Arbeitslosigkeit noch andere gute Gründe gibt, warum man promovieren möchte. Denn eine halbherzig angefangene Promotion, die dann mittendrinnen abgebrochen wird, kann sich laut academics auch negativ auf zukünftige Bewerbungen auswirken. Nicht zu vergessen, auch die Promotion kann mit finanziellen Unsicherheiten einhergehen. Hier finden Sie weitere Informationen rundum die Finanzierung.

  • „In meiner Familie wird es erwartet"

    Laut dem ZEIT Campus Ratgeber Promotion kann es insbesondere in Familien, in denen bereits mehrere Mitglieder promoviert haben, der Fall sein, dass der Doktortitel erwartet wird und der Druck entsteht, selbst promovieren zu müssen. Auch wenn der Titel immer noch ein Statussymbol sein kann, sollte niemand allein wegen der Familie diesen langwierigen und anstrengenden Prozess durchlaufen. Überlegen Sie deshalb, ob es noch andere Aspekte gibt, die Sie zur Promotion motivieren.

 

Bevor Sie sich für oder gegen eine Promotion entscheiden, ist es hilfreich, sich mit Ihren Karrierewünschen auseinanderzusetzen: Welcher Karriereweg wird angestrebt und was bedeutet dieser für eine mögliche Promotion?

Sie streben eine wissenschaftliche Karriere an: 

Wenn Sie planen, nach der Promotion in der Wissenschaft zu bleiben, sollten Sie sicherstellen, dass das Forschungsumfeld, in dem Sie promovieren möchten, dafür geeignet ist:

  • Gibt es eine Betreuer:in und / oder ein strukturiertes Programm, das fachlich passt? Wären Sie bereit, an eine andere Hochschule (ggf. auch im Ausland) zu wechseln, wo die Bedingungen besser passen?
  • Sind die Voraussetzungen gegeben, um ein gutes Netzwerk aufzubauen?
  • Ist Ihr Thema förderlich für Ihre Karrierechancen?
  • Hätten Sie die Möglichkeit Lehre zu machen und sich didaktisch weiterzubilden?
  • Eignet sich der Bereich, um bereits während der Promotion zu publizieren?

Diese Überlegungen können Ihnen dabei helfen, die bestmöglichen Voraussetzungen für Ihre wissenschaftliche Laufbahn zu schaffen. Sie sind jedoch keine Garantie, denn wissenschaftliche Karrieren können unsicher sein und Rückschläge mit sich bringen, insbesondere wenn eine Professur angestrebt wird. Überlegen Sie sich deshalb rechtzeitig einen Plan B.

Sie möchten gerne wissenschaftsnah tätig sein, streben aber keine wissenschaftliche Karriere an:

Wenn Sie eine Karriere im Wissenschaftsmanagement oder in unterstützenden Strukturen anstreben, beispielsweise in der Koordination von Graduierteneinrichtungen oder Forschungsnetzwerken, in der Mitarbeit in zentralen Verwaltungen oder Fachbereichen, dann kann die Promotion pragmatischer angegangen werden. Anstelle eines maximal forschungsorientierten Vorgehens kann der Fokus auf Effizienz, Zielorientierung und Zeitmanagement gelegt werden. Es bietet sich an, die Promotion durch eine Stelle an der Universität zu finanzieren. Auf diese Weise können Sie praxisnahe Eindrücke im Hochschulwesen gewinnen, erste Koordinationsaufgaben (z. B. Organisation von Tagungen) übernehmen und sich an Gremienarbeit beteiligen. Darüber hinaus sind Weiterbildungsangebote für Promovierende, beispielsweise im Projektmanagement oder in der Wissenschaftskommunikation, für den späteren Karriereweg hilfreich.

Sie promovieren, um außerhalb der Wissenschaft erfolgreich zu sein:

Gehen Sie bei Ihrer Promotion eher pragmatisch vor und achten Sie darauf, dass Ihre Qualifikation für den außerakademischen Arbeitsmarkt im Vordergrund steht. Berücksichtigen Sie Publikationen und Tagungen nur in dem Maß, in dem sie für Ihre spätere Karriere sinnvoll sind. Überlegen Sie, wie Sie während der Promotion wichtige Kompetenzen entwickeln können, und nutzen Sie unsere Weiterbildungsangebote für Promovierende. Darüber hinaus können Sie durch Kooperationen, Praktika, Teilzeitstellen oder eine Industriepromotion frühzeitig Kontakte in den gewünschten Arbeitsbereich knüpfen.

Sie haben noch keinen klaren Karriereweg vor Augen:

Wenn Sie noch keinen festen Karriereplan haben, sollten Sie keine Promotion aus Unsicherheit beginnen. Wichtig ist eine ehrliche Einschätzung Ihrer Motivation, Ihrer fachlichen Grundlagen sowie Ihrer persönlichen Voraussetzungen. Sprechen Sie mit anderen Promovierenden und nutzen Sie unser Beratungsangebot, um zu klären, ob eine Promotion der richtige Weg für Sie ist oder ob es passendere Karrierealternativen gibt.

Text orientiert an QualitätsZirkel Promotion (QZP). (2019). Promotion – bewusst entscheiden und gut starten.

Die Promotion kann großen Einfluss auf Ihr Leben nehmen. Neben der Motivation und der Karriereplanung ist es wichtig zu überprüfen, ob die persönlichen Voraussetzungen und die Lebensplanung mit dem Vorhaben der Promotion vereinbar sind. Folgende Fragen können dabei helfen: 

  • Wie sieht meine Lebens- und Familienplanung aus?
  • Bin ich belastbar und fähig zur Selbstmotivation und Selbstdisziplin?
  • Besitze ich Durchhaltevermögen und eine gewisse Frustrationstoleranz?
  • Verfüge ich über ein gutes Zeit- und Selbstmanagement?
  • Habe ich ein zeitaufwändiges Hobby? Bin ich bereit, dieses vorübergehend
  • einzuschränken?
  • Benötige ich oft Urlaub oder komme ich auch mal ein Jahr ohne Urlaub aus?
  • Benötige ich viel Freizeit? Kann ich Freundschaften und Familie hintanstellen?
  • Komme ich eventuell auch mit relativ wenig Geld aus?
  • Sind jahrelange prekäre Beschäftigungsverhältnisse und unsichere Karrierechancen für mich ein Problem?

Die Fragen wurden übernommen aus „Promotion – bewusst entscheiden und gut starten“ vom QualitätsZirkel Promotion.

Wenn Sie sich im Entscheidungsprozess für oder gegen eine Promotion befinden, ist es hilfreich, verschiedenen Rahmenbedingungen der Promotion zu berücksichtigen und direkt mitzudenken, welche Form für einen in Frage kommt.

  • Individuell vs. strukturiert

    Die Mehrheit der Promovierenden promoviert außerhalb strukturierter Programme, wenn auch mit sinkender Tendenz. Sie kümmern sich eigenständig um die gesamte Organisation und Finanzierung der Dissertation in Absprache mit dem:der Betreuer:in. Hier sind gutes Projektmanagement, Disziplin und ein hohes Maß an Selbstständigkeit gefragt.

    Alternativ kann die Dissertation auch im Rahmen eines strukturierten Programms erfolgen. In einem solchen Programm promovieren Sie innerhalb einer festen Struktur (z. B. in einem Graduiertenkolleg). Sie erstellen Ihre Dissertation innerhalb eines gemeinsam festgelegten Zeitplans, in dem die Promotionsfinanzierung in der Regel gesichert ist und werden durch mehrere Hochschullehrende betreut. 

    Promovieren an einer unserer Fakultäten

    Strukturierte Promotion an der Universität Leipzig

  • Intern vs. extern

    Bei einer internen Promotion hat die Doktorand:in eine Stelle am Lehrstuhl ihres:r Betreuer:in inne und finanziert darüber die Promotion. Von Vorteil sind neben der Finanzierung, die gute Anbindung an die Universität und den:die Betreuer:in sowie die Möglichkeit ein wissenschaftliches Netzwerk aufzubauen und erste Lehrerfahrungen zu sammeln. Letzteres und andere Aufgaben im Rahmen der Anstellung können allerdings auch viel Zeit in Anspruch nehmen, die eigentlich für die Promotion notwendig wäre. Bei der externen Promotion muss die Finanzierung selbst organisiert werden, beispielsweise über ein Stipendium oder eine Tätigkeit außerhalb der Wissenschaft. Dies geht mit einer höheren Flexibilität und der Möglichkeit, sich die Zeit frei einzuteilen, einher, kann aber auch zu Herausforderungen führen, da keine direkte Anbindung ans Institut vorhanden ist. Die Vernetzung mit anderen Promovierenden sowie Rücksprachen mit Betreuer:innen (z. B. hinsichtlich Kolloquien) müssen selbst organisiert werden.

    Stellenangebote der Universität Leipzig

    Finanzierung und Fördermöglichkeiten der Promotion

    Stipendium PLUS

    e-fellows.net-Stipendien-Datenbank 

  • Kumulativ vs. Monografie

    Während bei einer Monografie das Promotionsthema als ein zusammenhängender umfangreicher Text abgebildet wird, besteht eine kumulative Dissertation aus einzelnen Publikationen. Der Vorteil einer kumulativen Dissertation besteht darin, dass das wissenschaftliche Profil durch das Publizieren in Fachzeitschriften geschärft wird. Allerdings müssen die eingereichten Paper auch die anspruchsvollen und häufig langwierigen Review-Verfahren der Fachzeitschriften durchlaufen.

    Nicht immer ist eine kumulative Promotion zulässig. Ob dies an Ihrer Fakultät möglich ist, können Sie der jeweiligen Promotionsordnung entnehmen.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Ist die Promotion das richtige für mich? Motivation, Karriere- und Lebensplanung, persönliche Voraussetzungen und die Arbeitsbedingungen können bei dieser Entscheidung helfen. Bild: Swen Reichhold
Ist die Promotion das richtige für mich? Motivation, Karriere- und Lebensplanung, persönliche Voraussetzungen und die Arbeitsbedingungen können bei dieser Entscheidung helfen. Bild: Swen Reichhold

Die Graduiertenakademie bietet Promotionsinteressierten die Möglichkeit sich rund um das Thema Promotion beraten zu lassen. 

Eine Mitgliedschaft in der Graduiertenakademie ist für die Beratung nicht nötig. 

Mehr Informationen

Das könnte Sie auch interessieren

Tag der Promotion

mehr erfahren

Gute Betreuung in der Promotion

mehr erfahren

Promovieren an der Universität Leipzig

mehr erfahren